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            <title>39. Bundesmitgliederversammlung von Campusgrün in Erlangen: Alles</title>
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                <title>39. Bundesmitgliederversammlung von Campusgrün in Erlangen: Alles</title>
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                        <title>Eil-A4NEU: Gegen den EU-Aufrüstungsfonds</title>
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                        <author>Campusgrün Uni Hamburg (beschlossen am: 24.06.2019)</author>
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                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die CampusGrün-Hochschulgruppen beschließen, sich durch Diskussionen in Studierendenparlamenten bzw. -räten oder vergleichbaren Gremien, durch Diskussionsveranstaltungen, durch Demonstrationen und durch das Wirken für die Verankerung von Friedensforschung in den Curricula gegen eine weitere Aufrüstung zu stellen. Insbesondere gilt dies aktuell für die Gegner*innenschaft zum EU-„Verteidigungsfonds“.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><strong>Europa – ein Kriegsprojekt?</strong></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die vermeintliche &quot;Friedenspolitik&quot; der etablierten Politik und weiterer Interessengruppen, die am Status Quo festhalten, ist keine. Somit ist es auch nicht hinnehmbar, dass grüne Parteien Spendengelder aus der Rüstungsindustrie annehmen und Kriegseinsätze mit unterstützen. In diesem Sinne fordern wir die Abschaffung der Rüstungsindustrie. Wir wirken dafür, dass insbesonders linke und güne Partein eine konsequent pazifistische Politik praktizieren.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Der sogenannte „Verteidigungsfonds“ der EU wurde am 18.4.2019 im EU-Parlament mit einer deutlichen, aber keinesfalls unangefochtenen Mehrheit von 328 zu 231 Stimmen durchgesetzt. Er soll ab 2021 greifen und Zuschüsse liefern, wenn sich mehrere Staaten oder Konsortien zusammenschließen, um in einer bestimmten Größenordnung Rüstungsgüter zu produzieren. Bis 2027 stehen so 13 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt zusätzlich für Rüstung zur Verfügung.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Vorgeblich sollen durch dieses Anreizsystem <em>weniger unnötige </em>Waffen in der EU produziert werden: In der EU existieren derzeit 178 verschiedene Waffensysteme. Jedoch macht die „Argumentation“, dies durch mehr Rüstungsausgaben zu erreichen, deutlich, dass hier nicht etwa jede Waffe als unnötig gilt, sondern nur diejenigen, die im Einsatzfall nicht mit anderen interoperabel wären.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><strong>Rüstungsindustrie made in EU</strong></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Zwischen Deutschland und Frankreich wurde der EU-„Verteidigungsfonds“ bereits 2013 ins Spiel gebracht. Die EU-Kommission schlug diesen offiziell Ende November 2016 vor, kurz nach der Wahl des ultranationalistischen Kapitaleigentümers Donald Trump zum US-amerikanischen Präsidenten – der Druck ausgeübt hatte, das NATO-Ziel, 2% des BIP für Bewaffnung auszugeben, müsse eingehalten werden, Europa könne sich zur Sicherung seiner Privilegien nicht bloß auf die USA verlassen. Hierin ist also vielmehr als in dem Bemühen um internationalen Frieden eine Begründung des EU-Rüstungsfonds zu sehen.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die Weltlage gibt es jedoch nicht her, vermeintliche „europäische“ gegen „amerikanische“ Interessen an jeweils inländischer Rüstungsproduktion beziehungsweise „westliche“ Interessen an militärischer Abschreckung gegen die Interessen der nicht-NATO-Länder auszuspielen.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><strong>Anachronismus der Kraftmeierei</strong></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Diese Abschreckungsideologie ist aus der Zeit gefallen. Ihre Logik lautet: Um überhaupt verhandeln zu können, beispielsweise mit Russland, müsse man überhaupt erst einmal glaubhaft machen, dass man eine Bereitschaft zum militärischen Agieren hat. Breit getragene Anliegen und Initiativen wie zum Beispiel „Bildung ohne Bundeswehr“ zeigen jedoch: Niemand hat tatsächlich Lust, in einem Panzer gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Auch nicht in einer interoperablen EU-Panzerdivision. Das Abschreckungsgebaren hat längst ausgedient.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Rahmen des Rüstungsfonds darf sogar in die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und bewaffneten Drohnen investiert werden. Die zynische Logik dahinter lautet: Kriege werden von den Bevölkerungen nicht als tragbar angesehen, wenn in ihnen eigene Soldaten sterben. Dagegen vermehrt auf automatisierte Kriegsführung zu setzen, blendet die schutzlosen Zivilbevölkerungen und ihre Menschenrechte schlicht aus.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><strong>Wege zum Frieden</strong></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Frieden ist mehr als die Abwesenheit von akuter militärischer Gewalt. Er umfasst als sozialer Frieden ebenso die Abwesenheit von struktureller Gewalt.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Für einen solchen Frieden bedarf es dringend eines Fokus auf international solidarischer Kooperation statt Kriegsführung. Hierfür wäre ein EU-Friedensfonds für diplomatische Maßnahmen, Kulturaustausch und zur Unterstützung von zivilem Technologietransfer sowie die Entwicklung einer sozialen Grundsicherung ein Weg. In diesem Sinne kann und muss internationale Zusammenarbeit auch nicht an den EU-Außengrenzen enden, wie Initiativen wie ICAN durch den Kampf um einen internationalen Verbotsvertrag gegen Atomwaffen aufzeigen.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Hauptsächlich jedoch müssen wir uns gegen die Ausbeutung von Menschen durch Menschen stellen, die global für Ungleichheit sorgt, die die militärische Verteidigung eigener Privilegien erst nötig macht.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="https://www.deutschlandfunk.de/einigung-zu-eu-verteidigungsfonds-grosser-fortschritt-oder.1773.de.html?dram:article_id=442323">[ https://www.deutschlandfunk.de/einigung-zu-eu-verteidigungsfonds-grosser-fortschritt-oder.1773.de.html?dram:article_id=442323</a></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-hohe-erwartungen-an-merkel-drei.795.de.html?dram:article_id=272261">https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-hohe-erwartungen-an-merkel-drei.795.de.html?dram:article_id=272261</a></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="https://www.jungewelt.de/artikel/353825.waffenentwicklung-eu-parlament-bringt-r%C3%BCstungsfonds-auf-den-weg.html?sstr=r%C3%BCstungsfonds">https://www.jungewelt.de/artikel/353825.waffenentwicklung-eu-parlament-bringt-r%C3%BCstungsfonds-auf-den-weg.html?sstr=r%C3%BCstungsfonds</a></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="https://www.deutschlandfunk.de/plaene-fuer-einen-verteidigungsfonds-eu-will-staerker-in.1783.de.html?dram:article_id=372765">https://www.deutschlandfunk.de/plaene-fuer-einen-verteidigungsfonds-eu-will-staerker-in.1783.de.html?dram:article_id=372765</a></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/ulrike-herrmann-ueber-ruestung-deutschland-muss-mehr-fuer.2950.de.html?dram:article_id=445285">https://www.deutschlandfunkkultur.de/ulrike-herrmann-ueber-ruestung-deutschland-muss-mehr-fuer.2950.de.html?dram:article_id=445285</a>]</p></div></div><h2>Begründung</h2>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:51:13 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A3 NEU2: Hochschulfinanzierung überdenken!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/Hochschulfinanzierung_ueberdenken-26884</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 29.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/Hochschulfinanzierung_ueberdenken-26884</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Damit die Finanzierung der Lehre gesichert wird, wurde am 3. Mai 2019 von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) der „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ beschlossen. Dieser Pakt besteht aus drei Schritten, in denen jeweils Geld für befristete Stellen und Forschungsinstitute zu Verfügung gestellt wird. Es kann nicht als Erfolg gewertet werden, dass der Zukunftspakt überhaupt zustande gekommen ist. Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Denn es herrscht immer noch eine große Kluft zwischen den finanziellen Möglichkeiten und den tatsächlichen Notwendigkeiten. Die Finanzierung sollte daran gemessen werden, inwiefern die Hochschulen und universitäre Forschung dauerhaft ausreichend finanziert, die Drittmittelabhängigkeit verringert und die Arbeits- und Studienbedingungen verbessert werden können. [1]<br><br>
Obwohl es zu begrüßen ist, dass der Bund nun in die dauerhafte Finanzierung von Hochschulen einsteigt, müssen viele der Punkte kritisiert werden. Der “Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken”, verpasst es die Hochschulfinanzierung über den Bund endlich bedarfsgerecht zu gestalten. Es reicht nicht aus, nur einen Inflationsausgleich anzustreben, vor allem, wenn dieser erst ab 2024 erreicht werden soll. So kann der Drittmittelabhängigkeit der Hochschulen entgegengewirkt werden und für bessere Studien- und Arbeitsbedingungen bei steigenden Studierendenzahlen gesorgt werden.<br><br>
Die Forschungs- und Lehrbedingungen werden immer prekärer. Die Zahl befristeter Stellen steigt stärker als die der Dauerstellen, es fehlt an Geld für administrative Aufgaben, der Konkurrenzdruck um die wenig vorhanden Professuren mindert die wichtige Kooperation und das Streben nach Erkenntnisgewinn im wissenschaftlichen Mittelbau, die Bausubstanz an Hochschulen benötigt dringend Investitionen in Milliardenhöhe und die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden verschlechtert sich zunehmend [2]. Gleichzeitig nimmt die Drittmittelabhängigkeit der Hochschulen zu. Das ersetzt das Ideal des freien Zugangs zu Bildung zunehmend durch eine ausschließlich privatwirtschaftliche Verwertungslogik, die Partikularinteressen, statt dem Allgemeinwohl, dient.<br><br>
Zur Verbesserung und Umkehrung dieser Entwicklungen benötigt es eine dauerhafte und bedarfsgerechte Hochschulfinanzierung über Bund und Länder. Diese sollte explizit an die Schaffung von Dauerstellen im wissenschaftlichen Betrieb und damit auch für die Verbesserungen von Studienbedingungen verwendet werden. Campusgrün unterstützt daher die Kampagne „Frist ist Frust“ und ermutigt die lokalen Hochschulgruppen, sich an den Hochschulen und auf Landesebene für die Schaffung von Dauerstellen einzusetzen. Bei den jeweils von dem BMBF mit den Ländern vereinbarten „Verpflichtungserklärungen“ zur Entfristung von Stellen gilt es bei der Umsetzung auf Länderebene weiterhin Druck auszuüben und sich für einen „Entfristungspakt“ einzusetzen. Darüber hinaus sollte auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden, inwiefern andere Strukturen wie Departements abseits von Modernisierungen der Hochschullehrer*innenlaufbahn an deutschen Hochschulen für eine produktivere, kooperationsorientierte, nicht-prekäre und auf auch qualitative Lehre fokussierte Arbeitsteilung sorgen können. [3]<br><br>
Die steigende Anzahl an Studierenden darf nicht mit einer Verschlechterung der Betreuungsrelationen und Lehrbedingungen zusammengehen, welche der Hochschulpakt mit seinen befristeten Stellen mit sich bringt. Stattdessen sollte eine Verbesserung von Lehre und Forschung anngestrebt werden. Diese müssen auch in der Finanzierung zusammengedacht werden. Finanzierungssenkungen sind nicht hinnehmbar.<br><br>
Bildung und Wissenschaft müssen endlich auch die finanzielle Bedeutung im Bundeshaushalt und in den Länderhaushalten bekommen, die ihnen gesellschaftlich als emanzipatorische Kraft zusteht.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die Finanzierung von Bildung und Wissenschaft ist eine zentrale Aufgabe des Staates und darf nicht gekürzt, sondern muss konsequent mit dem Ansteigen der Studierendenzahlen erhöht werden. Angelehnt an vorherige Beschlüssen [4] lehnt Campusgrün daher die Schuldenbremse ab und fordert eine konsequent progressive Besteuerung, vor allem von Vermögen, Erbschaften und Finanztransaktionen.<br><br>
Verweise:<br><br>
[1] <a href="http://mittelbau.net/2019/05/13/stellungnahme-zu-den-pakten/">http://mittelbau.net/2019/05/13/stellungnahme-zu-den-pakten/</a><br>
[3] <a href="https://www.studis-online.de/HoPo/auseinandersetzung_um_den_hochschulpakt.php#fn2">https://www.studis-online.de/HoPo/auseinandersetzung_um_den_hochschulpakt.php#fn2</a><br>
[2] <a href="https://www.hochschulverband.de/uploads/media/Resolution_Mut_zur_Reform_Weiterentwicklung_des_Wissenschaftssystems_final.pdf">https://www.hochschulverband.de/uploads/media/Resolution_Mut_zur_Reform_Weiteren--twicklung_des_Wissenschaftssystems_final.pdf</a><br><br>
[4] „Für eine umfassende BAföG-Reform“ (2017)<br><a href="http://www.campusgruen.de/themen/studienfinanzierung/10511312.html">http://www.campusgruen.de/themen/studienfinanzierung/10511312.html</a><br>
„International solidarisch: Schluss mit Austerität!“ (2018)<br><a href="http://www.campusgruen.de/suchen/10636367.html?searchshow=austerit%E4t">http://www.campusgruen.de/suchen/10636367.html?searchshow=austerit%E4t</a></p></div></div><h2>Begründung</h2>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:37:58 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A3 NEU: Hochschulfinanzierung überdenken!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12318</link>
                        <author></author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12318</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Damit die Finanzierung der Lehre gesichert wird, wurde am 3. Mai 2019 von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) der „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ beschlossen. Dieser Pakt besteht aus drei Schritten, in denen jeweils Geld für befristete Stellen und Forschungsinstitute zu Verfügung gestellt wird. Es kann nicht als Erfolg gewertet werden, dass der Zukunftspakt überhaupt zustande gekommen ist. Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Denn es herrscht immer noch eine große Kluft zwischen den finanziellen Möglichkeiten und den tatsächlichen Notwendigkeiten. Die Finanzierung sollte daran gemessen werden, inwiefern die Hochschulen und universitäre Forschung dauerhaft ausreichend finanziert, die Drittmittelabhängigkeit verringert und die Arbeits- und Studienbedingungen verbessert werden können. [1]<br><br>
Obwohl es zu begrüßen ist, dass der Bund nun in die dauerhafte Finanzierung von Hochschulen einsteigt, müssen viele der Punkte kritisiert werden. Der “Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken”, verpasst es die Hochschulfinanzierung über den Bund endlich zu dynamisieren. Es reicht nicht aus, nur einen Inflationsausgleich anzustreben, vor allem, wenn dieser erst ab 2024 erreicht werden soll. So kann der Drittmittelabhängigkeit der Hochschulen entgegengewirkt werden und für bessere Studien- und Arbeitsbedingungen bei steigenden Studierendenzahlen gesorgt werden.<br><br>
Die Forschungs- und Lehrbedingungen werden immer prekärer. Die Zahl befristeter Stellen steigt stärker als die der Dauerstellen, es fehlt an Geld für administrative Aufgaben, der Konkurrenzdruck um die wenig vorhanden Professuren mindert die wichtige Kooperation und das Streben nach Erkenntnisgewinn im wissenschaftlichen Mittelbau, die Bausubstanz an Hochschulen benötigt dringend Investitionen in Milliardenhöhe und die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden verschlechtert sich zunehmend [2]. Gleichzeitig nimmt die Drittmittelabhängigkeit der Hochschulen zu. Das ersetzt das Ideal der freien Verfügbarkeit von Wissen zunehmend durch eine ausschließlich privatwirtschaftliche Verwertungslogik, die Partikularinteressen, statt dem Allgemeinwohl, dient.<br><br>
Zur Verbesserung und Umkehrung dieser Entwicklungen benötigt es eine dauerhafte und dynamische Hochschulfinanzierung über Bund und Länder. Diese sollte explizit an die Schaffung von Dauerstellen im wissenschaftlichen Betrieb und damit auch für die Verbesserungen von Studienbedingungen verwendet werden. Campusgrün unterstützt daher die Kampagne „Frist ist Frust“ und ermutigt die lokalen Hochschulgruppen, sich an den Hochschulen und auf Landesebene für die Schaffung von Dauerstellen einzusetzen. Bei den jeweils von dem BMBF mit den Ländern vereinbarten „Verpflichtungserklärungen“ zur Entfristung von Stellen gilt es bei der Umsetzung auf Länderebene weiterhin Druck auszuüben und sich für einen „Entfristungspakt“ einzusetzen. Darüber hinaus sollte auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden, inwiefern andere Strukturen wie Departements abseits von Modernisierungen der Professor*innenlaufbahn an deutschen Hochschulen für eine produktivere, kooperationsorientierte, nicht-prekäre und auf auch qualitative Lehre fokussierte Arbeitsteilung sorgen können. [3]<br><br>
Die steigende Anzahl an Studierenden darf nicht mit einer Verschlechterung der Betreuungsrelationen und Lehrbedingungen zusammengehen, welche der Hochschulpakt mit seinen befristeten Stellen mit sich bringt. Stattdessen sollte eine Verbesserung von Lehre und Forschung anngestrebt werden. Diese müssen auch in der Finanzierung zusammengedacht werden. Finanzierungssenkungen sind nicht hinnehmbar.<br><br>
Bildung und Wissenschaft müssen endlich auch die finanzielle Bedeutung im Bundeshaushalt und in den Länderhaushalten bekommen, die ihnen gesellschaftlich als emanzipatorische Kraft zusteht.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die Finanzierung von Bildung und Wissenschaft ist eine zentrale Aufgabe des Staates und darf nicht gekürzt, sondern muss konsequent mit dem Ansteigen der Studierendenzahlen erhöht werden. Angelehnt an vorherige Beschlüssen [4] lehnt Campusgrün daher die Schuldenbremse ab und fordert eine konsequent progressive Besteuerung, vor allem von Vermögen, Erbschaften und Finanztransaktionen.<br><br>
Verweise:<br><br>
[1] <a href="http://mittelbau.net/2019/05/13/stellungnahme-zu-den-pakten/">http://mittelbau.net/2019/05/13/stellungnahme-zu-den-pakten/</a><br>
[3] <a href="https://www.studis-online.de/HoPo/auseinandersetzung_um_den_hochschulpakt.php#fn2">https://www.studis-online.de/HoPo/auseinandersetzung_um_den_hochschulpakt.php#fn2</a><br>
[2] <a href="https://www.hochschulverband.de/uploads/media/Resolution_Mut_zur_Reform_Weiterentwicklung_des_Wissenschaftssystems_final.pdf">https://www.hochschulverband.de/uploads/media/Resolution_Mut_zur_Reform_Weiteren-twicklung_des_Wissenschaftssystems_final.pdf</a><br><br>
[4] „Für eine umfassende BAföG-Reform“ (2017)<br><a href="http://www.campusgruen.de/themen/studienfinanzierung/10511312.html">http://www.campusgruen.de/themen/studienfinanzierung/10511312.html</a><br>
„International solidarisch: Schluss mit Austerität!“ (2018)<br><a href="http://www.campusgruen.de/suchen/10636367.html?searchshow=austerit%E4t">http://www.campusgruen.de/suchen/10636367.html?searchshow=austerit%E4t</a></p></div></div><h2>Begründung</h2>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:35:45 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä3 zu Eil-A3 : Hochschulfinanzierung überdenken!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17925</link>
                        <author>BAGLS (dort beschlossen am: 29.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17925</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 16 bis 18:</h4><div><p>“Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken”, verpasst es die Hochschulfinanzierung über den Bund endlich <ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">bedarfsgerecht </ins>zu <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">dynamisieren</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">gestalten</ins>. Es reicht nicht aus, nur einen Inflationsausgleich anzustreben, vor allem, wenn dieser erst ab </p></div><h4 class="lineSummary">Von Zeile 35 bis 37:</h4><div><p>Zur Verbesserung und Umkehrung dieser Entwicklungen benötigt es eine dauerhafte und <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">dynamische</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">bedarfsgerechte</ins> Hochschulfinanzierung über Bund und Länder. Diese sollte explizit an die Schaffung von Dauerstellen im wissenschaftlichen Betrieb und damit auch </p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:35:44 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä2 zu Eil-A3 : Hochschulfinanzierung überdenken!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17924</link>
                        <author>BAGLS (dort beschlossen am: 29.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17924</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 45 bis 47:</h4><div><p>diskutiert werden, inwiefern andere Strukturen wie Departements abseits von Modernisierungen der <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">Professor*innenlaufbahn</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">Hochschullehrer*innenlaufbahn</ins> an deutschen Hochschulen für eine produktivere, kooperationsorientierte, nicht-prekäre und auf auch qualitative </p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:30:37 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä1 zu Eil-A3 : Hochschulfinanzierung überdenken!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17923</link>
                        <author>BAGLS (dort beschlossen am: 29.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12185/amendment/17923</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 29 bis 32:</h4><div><p>und Studierenden verschlechtert sich zunehmend [2]. Gleichzeitig nimmt die Drittmittelabhängigkeit der Hochschulen zu. Das ersetzt das Ideal <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">der</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">des</ins> freien <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">Verfügbarkeit von Wissen</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">Zugangs zu Bildung</ins> zunehmend durch eine ausschließlich privatwirtschaftliche Verwertungslogik, die Partikularinteressen, statt dem </p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 16:27:23 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU8: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/Studentenverbindungen_keine_Plattform_geben-39952</link>
                        <author></author>
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                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von marginalisierten Gruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der größte Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen &quot;Ariernachweis&quot; ein. Bis heute gibt es wiederkehrende Diskussionen um ausschließende Herkunftsnachweise verschiedenster Art.<br><br>
Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaft-en</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:40:40 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU7: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12312</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
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                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von marginalisierten Gruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der größte Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen &quot;Ariernachweis&quot; ein. Immernochgibt es wiederkehrende Diskussionen um Herkunftsnachweise verschiedenster Art.<br><br>
Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:39:01 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU6: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12311</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
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                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von marginalisierten Gruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:34:14 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU5: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12310</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12310</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von ohnehin benachteiligten Gesellschaftgruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:33:51 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU4: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12309</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12309</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von bedeutenden Gesellschaftsgruppen (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:32:53 +0200</pubDate>
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                        <title>Eil-A2NEU3: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
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                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
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                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur &quot;vaterländischen&quot; Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von Minderheiten (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:31:22 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Eil-A2NEU2: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12307</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12307</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in Union und FDP sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von Minderheiten (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:30:45 +0200</pubDate>
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                        <title>Eil-A2NEU: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
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                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12306</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Im Deutschen Bundestag sitzen seit 2018 neun Burschenschaftler und 40 Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in der Union sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der neoliberalen Gesellschaft: Sie feiern gut besuchte „Bier-Pong“-Studentenpartys, bieten günstige Wohnungen und Berufschancen in hohen Unternehmensrängen. Gerade in einer Zeit, in der die Mietpreise ins Unermessliche steigen und eine egalitäre BAföG-Sicherung ungewiss ist, werden Verbindungen somit für Studierende wieder attraktiv. Im Fokus der Verbindungspraxis steht jedoch nach wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. Sie werden in allen Verbindungen aufrecht gehalten, ob konservativ oder offen-rechtsradikal.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von Minderheiten (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese Tendenzen nutzt die Neue Rechte als Anlass, um ihre menschenverachtende Ideologie erstarken zu lassen. Neben der „Identitären Bewegung“ und „Pegida“ hetzten auch Burschenschaften und Verbindungen gegen Minderheiten: Sie fühlen sich von ihnen in ihrem avantgardistischen Status bedroht. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute haben sich völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: 1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Turnerschaften, sowie Katholischen und Musikalischen Verbindungen, die in ihrer genauen Ausrichtung unterschiedlich liberal geben (z.B. schlagend/nicht-schlagend, farben-tragend/nicht farbend-tragend). Sie stützen sich jedoch alle auf selektierende, festgelegte Prinzipien und gehen einem konservativen, meist rechtsradikalen, Welt – und Menschenbild nach. Ebenfalls stellen sie sich explizit an Hochschulen gegen jeden notwendigen demokratischen Antifaschismus<a href="#_ftn2">[2]</a>.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Campusgrün fordert im gesamten Verband den Einsatz für die Ausbildung eines antifaschistischen historischen Bewusstseins für egalitäre Studierendebedingungen, demokratische Partizipation und ausreichende finanzielle Mittel für alle aus - unabhängig von Nationalität, Gender oder Herkunft. Der Bundesverband lehnt die damit in Widerspruch stehenden unterdrückenden Prinzipien des Verbindungswesens in ihrer Vollständigkeit vehement ab! Er richtet sich in aller Deutlichkeit gegen das Lebensbundprinzip und hierarchische Praktiken. Daher arbeiten wir nicht mit Mitgliedern von Burschenschaften und Studentenverbindungen und ihrem inhärenten, historisch gewachsenen Rassismus und Intisemitismus, Sexismus und Klassismus zusammen. Wir fordern also</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>faschistischem Gedankengut in unseren Strukturen keinen Platz zu geben und die Verbreitung aktiv zu bekämpfen;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Aufklärungsarbeit über rechtes Verbindungswesen an den Universitäten zu leisten;</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Emanzipatorische, antifaschistisch-historische Diskurse tatkräftig zu fördern</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> darunter der frühere Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) aus Bayern, <a href="http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/">http://www.taz.de/Verbindungen-im-Bundestag/!5506306/</a>, letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Es verstärke sich &quot;unsere Sorge über eine immer weitergehende Einengung politischer Freiheit im Zeichen eines mehr und mehr auch staatlich propagierten Antifaschismus&quot; (Hauptausschuss der DB, 30.6.2001, AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg, S. 17).</p></div></div><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Historisch: rassistische, antisemitische und völkische Ideologien</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><em>“Das Erziehungsbild der Härte, an das viele glauben mögen, ohne darüber nachzudenken, ist durch und durch verkehrt. Die Vorstellung Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der (…) mit dem Sadismus nur allzuleicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-sein bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart ist gegen sich, der erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen musste.«</em><br>
Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Die Berufung auf traditionelle, deutsche Riten der heutigen Verbindungen hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Als einst differenziert-liberales Anliegen richteten sich studentische Corps gegen die Macht des preußischen Fürsten – aber auch gegen die aufklärerischen Ideen der Französischen Revolution (vgl. AstA Marburg, S.9<a href="#_ftn1">[1]</a>). Um organisiert für eine deutsch-nationalistische Bourgeoisie („Ehre, Freiheit und Vaterland“, AstA Hamburg, S.7<a href="#_ftn2">[2]</a>) einzustehen organisierten sich die zurückgekehrten Soldaten nach den „Befreiungskriegen“ 1815 gegen Napoleon an Universitäten in Burschenschaften. Diese Gruppierungen schlossen Frauen, Ausländer*innen und Nicht-Christ*innen aus und lebten in Wohngemeinschaften zusammen (vgl. ebd.). Aus dieser Idee entwickelte sich ein ansteigender Antisemitismus: 1817 wurde beim <em>Wartenburgfest</em> eine Bücherverbrennung von Schriften jüdischer Schriftsteller veranstaltet (vgl. AstA Marburg, S.9), welches gegen die burschenschaftliche Vorstellung des deutschen „Volksthumes“ stand. Um ihre pseudo-wissenschaftliche Legitimation zu stützen zogen sie sozialdarwinistisch-rassistische Wissenschaft hinzu (vgl. ebd.)<a href="#_ftn3">[3]</a>. Sich einst sich noch gegen die Feudalherrschaft wehrend, entwickelten sich die Burschenschaften zu Unterstützern von Kaiserreich und Elite und waren damit offene Gegner von sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen (vgl. ebd.). 1902 gründete sich der Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ (DB), welcher den Kampf gegen das Judentum als deutsche, also seine, Hauptaufgabe postulierte (vgl. bpb<a href="#_ftn4">[4]</a>). Außerdem wurde die DB Mitglied der Kolonialgesellschaft und unterstützten personell sowie finanziell die imperialistische Ausbeutung afrikanischer Länder (u.a. Mithilfe beim Genozid im heutigen Namibia, vgl. AstA Marburg, S.9).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Durch das Ende der Monarchie und den ersten Weltkrieg stellte man sich die Frage nach dem Neuaufbau der Gesellschaft. Burschenschaftler, von denen viele an der Front gekämpft hatten und sich nach der „Niederlage“ in paramilitärischen Freikorps zusammenschlossen, beeinflussten diese Umbruchzeit in ihrem Sinne. Das bedeutete, dass die Organisierung vom „Gesunden Wille des Volksorganismus“ und der „Verwurzelung von Blut und Boden“ bestimmt war (ebd.). In der Weimarer Republik agierten sie gegen demokratische Forderungen und beteiligten sich u.a. an der Ermordung <em>Liebknechts</em> und <em>Luxemburgs</em> und an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes (vgl. ebd.). In ihren Grundsätzen von der Regierung der 20er Jahre unterstützt, fanden die Burschenschaftler ihren Anschluss an den Deutschen Faschismus und ebneten aktiv den Weg für den Antisemitismus in der Gesellschaft (vgl. AstA Hamburg, S. 8). In Hitler sahen sie die Erfüllung aller ihrer deutsch-nationaler Wünsche. Sie waren teilweise für die Gründung des NSDStB an deutschen Hochschulen verantwortlich und sahen sich damit als „Träger und Künder des 3. Reiches“ (AstA Marburg, S.12) an. In diesem Sinne veranstalteten sie sowohl die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wie auch den Verrat jüdischer Kommiliton*innen an das faschistische Regime. Ab 1935 verordneten die meisten ihre Mitglieder in die SA/SS und mussten sich schließlich auflösen, um „vollends bei der Frage der rassistischen Erneuerung und Widergewinnung des völkischen Artgefühls“ als nationalsozialistische, studentische Avantgarde mitzuwirken (vgl. ebd.). Im Zuge der „Entnazifizierung“ nach dem 2. Weltkrieg und dem Machteinfluss der „Alten Herren“ innerhalb von deutscher Elite und Universitätsnetzwerken wurden Burschenschaften trotz Verbot der Alliierten neu - oder wiedergegründet (vgl. bpb). Das Aufarbeiten der Geschichte geschah in den Verbindungen und Burschenschaften so gut wie nicht<a href="#_ftn5">[5]</a>, bis in die 60er Jahre waren so noch 30 Prozent der Studenten in Burschenschaften vernetzt. Einen Umschwung gab es erst mit den Protesten der 68er-Bewegung, in der auch viele Studierende für ein Studium abseits von Tradition und Geschichtsvergessenheit kämpften – damit verloren auch die Burschenschaften eine Vielzahl ihrer Mitglieder (vgl. AstA Hamburg, S. 8).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><span class="underline">Aktuell: Tradition, Praxis und Menschenbild</span></p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p>Allen Studentenverbindungen und Burschenschaften gemein ist das „<em>Lebensbundprinzip</em>“: Die Mitglieder verpflichten sich, der Gemeinschaft auf Lebenszeit anzugehören, zum Absolvieren eines „guten Studiums“, der Planung und Durchführung festlicher Events und der Verbreitung der Ideologie in der Öffentlichkeit (z.B. auf dem Campus). Außerdem dem „<em>Keilen</em>“ neuer Studierenden durch das Anpreisen von günstigen Mieten und guten Berufschancen, und dem Zahlen eines Mitgliedsbeitrages nach Beendigung des Studiums (von dem nachfolgende Mitglieder profitieren). Um ihre Ausrichtung zu untermauern, wählen Verbindungen ihre eigenen Wahlsprüche, z.B. „mens sana in corpore sano!“ (In einem gesunden Körper wohne ein gesunder Geist!)<a href="#_ftn6">[6]</a> oder „vir tutti semper corona“ (Dem verdienste seine Krone)<a href="#_ftn7">[7]</a>. Die Mitgliedschaft ist <em>hierarchisch organisiert</em>: Als „Leibfux“ hat man eingeschränkte Rechte und ist dem „Faxe“ (ATV Silencia zu Mainz<a href="#_ftn8">[8]</a>) unterstellt, muss ihm unbedingten Gehorsam entgegenbringen. Als Voll-Aktiver „Bursche“ folgt man den Anweisungen und Befehlen der zahlenden „Alt-Herren“, welche sich einmal pro Woche von den ‚Aktiven‘ zum ‚Ess und Schunk‘ und „generationsübergreifenden Gesprächen“ (ebd.) einladen lassen. Um zu einer ‚Führungsposition‘ mit „Pflichtbewusstsein“ (ebd.) zu werden, müssen harte Erziehungsmethoden durchlaufen werden: Es gibt in jeder Verbindung spezielle Trachten, Wappen, Sprechweisen und Riten. Dazu gehört meist ein verpflichtendes <em>Sportprogramm</em> (s. ebd.), das <em>Liedersingen</em> (u.a. Volkslieder, z.T. alle drei Strophen der Nationalhymne), oft <em>Mensuren</em> (Fechtkämpfe, um seine „Männlichkeit“ zu beweisen, „Schmisse“ werden mit stolz getragen und dürfen nicht medizinisch versorgt werden). In einem Semesterprogramm sind zahlreiche Pflichttermine angeführt (vgl. ebd.). Auch die „<em>Kneipe</em>“ und der „<em>Kommerz</em>“ unterstehen oft einer ständigen Erniedrigung: Auf Toilette gehen ist nicht erlaubt, Kleider – und Sitzordnung sind festgelegt. Die Füxe bedienen und müssen trinken, wenn der „Herr“ es anordnet („Rest weg!“). Bei Regelverstoß werden „Bierkrüge“ verordnet. So werden strenge Hierarchien reproduziert (vgl. AstA Hamburg, S. 10). Frauen und Ausländer*innen sind in manchen Verbindungen zwar seit kurzem erlaubt, die männlich-weiße Herrschaft jedoch dominant, rassistisch (ausländische Kommiliton*innen dienen globaler Ausweitung der deutsch-nationalen Interessen)<a href="#_ftn9">[9]</a> und sexistisch (Frauen seien „männlichen“ Traditionen nicht gewachsen, dienen meist zum Schmuck als „Coleur-Damen“, AstA Hamburg, S. 19).<a href="#_ftn10">[10]</a> Schlussendlich gibt es also de facto keine Möglichkeit des sich-Einbringens. Ein aktives Verbindungsmitglied ist die folgende Masse und gleichzeitig der Herrscher.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref1">[1]</a> AstA Phillips-Universität Marburg (2016):Verbindungswesen kappen! Eine kritische Betrachtung Marburger Verbindungen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref2">[2]</a> AstA Uni Hamburg (2005): Falsch verbunden…Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref3">[3]</a> u.a. bezogen sie sich auf den antisemitischen Historiker <em>Heinrich von Tretschke</em> („Judentum, Franzosentum wohin wir blicken. Es ist Aufgabe der christlich-germanischen Jugend, das auszurotten, denn uns gehört die Zukunft&quot;, vgl. HH, 7)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref4">[4]</a><a href="http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften">http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/256889/burschenschaften</a>; letzter Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref5">[5]</a> 1957 verkündete so ein Mitglied der Germania Marburg: „Ich bin durchaus der Meinung, dass die Nationalsozialistischen Konzentrationslager als politische Maßnahme am Platz waren“ (M, 13)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref6">[6]</a> ATV Silesia zu Mainz</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Corps Borossia Breslau zu Köln und Achen</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref8">[8]</a><a href="http://atv-silesia.de/">http://atv-silesia.de/</a>, letzte Aufruf: 14.6.2019</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref9">[9]</a> „Diese jungen Araber und Neger […] sind oft sehr empfindlich und leiden schon wegen ihrer Hautfarbe und wegen der Rückständigkeit ihrer Länder an einem gewissen Minderwertigkeitskomple. […]. [Sie sind] noch beeinflussbar, und wenn wir sie menschlich […] bei uns aufnehmen […] werden sie später, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, zu den […] besten Propagandisten für die Probleme Deutschlands werden.“ (A. Peinmann in: Corps Zeitung Nr. 64, 1963)</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings"><p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &quot;Unser Burschentum ist immer auf eine bestimmte männliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das Männliche ausgerichtet&quot; (Burschenschaftliche Blätter 5/1980)</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 14:30:07 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>A1NEU: Für den Einbezug von Hochschulen für angewandte Wissenschaft und Fachhochschulen: Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz überarbeiten!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/Fuer_den_Einbezug_von_Hochschulen_fuer_angewandte_Wissenschaft_und_Fachh-19805</link>
                        <author>Campusgrün Bundesvorstand (beschlossen am: 14.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/Fuer_den_Einbezug_von_Hochschulen_fuer_angewandte_Wissenschaft_und_Fachh-19805</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Die Sorge für die Gesundheit ist eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe und erfordert ausreichend Zeit und Sorgfalt in der Ausbildung.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Hintergrund:</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Seit 1999 ist es in Deutschland nach dem Studium der Psychologie (universitäres Diplom/Master) möglich, eine Ausbildung zum/zur Psychologischen Psychotherapeut*in zu absolvieren. Für den Beruf des/der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in ist dies nach einem Studium der Pädagogik oder Sonderpädagogik möglich. Die Ausbildung schließt an den Hochschulabschluss an und ist zeit- (mindestens 3 Jahre Vollzeitausbildung, 5 Jahre Teilzeitausbildung) und kostenintensiv (im fünfstelligen Bereich). Hinzu kommt die meist prekäre finanzielle Lage der Psycholog*innen in Ausbildung (PiAs) während der 1800 Stunden ihrer Praktischen Tätigkeit, die in der Regel zu Beginn der Ausbildung absolviert wird. Diese findet häufig im Praktikant*innenverhältnis statt. Das bedeutet, dass die PiAs im Durchschnitt während dieser Ausbildungsphase nur 639,00€ monatlich verdienen; zudem ist jede*r dritte PiA während der Praktischen Tätigkeit über seine/ihre Einrichtung nicht sozialversichert ist (Klein-Schmeink, 2017). Diese Bedingungen sind ausbeuterisch! Oft wird diese schlecht bezahlte Care-Arbeit von Frauen übernommen. Durch die privat finanzierte Ausbildung ist der Zugang zur Ausbildung sozial selektiv und treibt die Spaltung der Gesellschaft voran. . Diese Missstände sind der Politik seit Jahren bekannt und die Bundesregierung hatte eine Neuregelung schon bereits im Jahr 2013 angekündigt.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Nach Jahren des Wartens wurde Anfang 2019 ein Referent*innenentwurf des Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz in Bundestag und Bundesrat eingebracht und der Gesundheitsausschuss der Bundestags hielt am 15.5.2019 dazu eine Sitzung mit Sachverständigen ab [Stand 19.5.2019].</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Dieses Gesetz sieht einen neuen Studiengang der Psychotherapie vor (konsekutiver Bachelor- und Masterstudiengang) und bringtdie Verbesserung der prekären Lage der Ausbildungsteilnehmer*innen mit sich. Sie schließen das Studium der Psychotherapie bereits mit Approbation ab und ihre Tätigkeiten im Rahmen der Weiterbildung können somit von den Krankenkassen vergütet werden (vergleichbar mit dem Studium der Medizin, das auch mit Erteilung der Approbation endet). Dies ermöglicht eine sozialversicherte Anstellung zu einem tarifgemäßen Gehalt während der Weiterbildungsphase.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Kritik am neuen Psychotherapeutengesetz:</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Der Reformprozess mit all seinen Vorteilen, die wir begrüßen, hat jedoch mehrere Haken: Er unterschlägt, dass das Zweiklassendenken bezüglich Hochschulen und Universitäten in der Hochschullandschaft überkommen ist.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Konsekutive Bachelor-/Master- Studiengänge haben den gleichen Arbeitsaufwand, sind ebenfalls nach den gleichen Kriterien wissenschaftlich anerkannt und schließen mit dem gleichen Qualifikationsniveau (Bachelor EQR=6; Master EQR=7) ab wie universitäre Studiengänge. Über Lehre und Studium muss paritätisch entschieden werden. Die Landeshochschulgesetzte sehen zudem keine Unterscheidung der Abschlüsse nach Hochschulart mehr vor.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Das Angebot des neuen Studiengangs auch an Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaft wäre zudem im Sinne einer flächendeckenden psychotherapeutischen Versorgung. Es kann auch zur Abbildung aller wissenschaftlich fundierten psychotherapeutischen Verfahren (z.B. psychoanalytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie und systemische Psychotherapie) sein.</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Deshalb ist es unverständlich, warum Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Fachhochschulen beim Angebot des neuen Studiengangs ausgeschlossen werden sollten. Dieser Auffassung sind ebenfalls der Gesundheitsausschuss und Kulturausschuss des Bundesrats (Bundesrats-Drucksache 98/1/19; Punkt 10), die Landesregierung Sachsen-Anhalt (Landtag von Sachsen-Anhalt Drucksache 6/4291) und die Grüne Bundestagsfraktion (Bundestag Drucksache 19/9272).</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Wir fordern</p></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Folgende Änderung von §9 Absatz 1 im Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz:
<ul><li>Streichung von: „Das Studium nach § 7 Absatz 1 Satz 1 findet ausschließlich an Universitäten oder diesen gleichgestellten Hochschulen (Hochschulen) statt.“</li><li>Ersetzung der Streichung durch: Das Studium nach § 7 Absatz 1 Satz1 findet ausschließlich an Hochschulen statt.</li></ul></li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>Faire Übergangslösungen für aktuelle Studierende, so dass Alle selbstsbestimmt über ihre Lebensentwürfe bzgl. Studium und Ausbildung verfügen können. Dazu fordern wir Übertrittsmöglichkeiten vom bisherigen in das neue System sowie eine deutlich längere Übergangsfrist der bisherigen Ausbildung (PsychThG-RefE §28 Absatz 2).</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>dass durch eine Kultur der Solidarität statt des Konkurrenzkampfes üsychische Gesundheit (Nach WHO-Definition² gefördert wird.</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><ul><li>dass den patriarchalen Strukturen, welche durch die aktuelle Ausbildungssituation aufrechterhalten werden, entgegengewirkt wird.</li></ul></div></div><div class="paragraph"><div class="text motionTextFormattings fixedWidthFont"><p>Quellen:<br><br>
1. Klein-Schmeink, 2017: <a href="https://www.klein-schmeink.de/data/user/PDF-Dokumente/2017/Ergebnisbericht_PiA-Umfrage.pdf">https://www.klein-schmeink.de/data/user/PDF-Dokumente/2017/Ergebnisbericht_PiA-Umfrage.pdf</a><br><br>
2. <em>Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung</em>.<br></p></div></div><h2>Begründung</h2>]]></description>
                        <pubDate>Sat, 29 Jun 2019 09:22:52 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä8 zu Eil-A2NEU6: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12311/amendment/17911</link>
                        <author>Lena Gieseke (GHG Stendal)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12311/amendment/17911</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 22 bis 25:</h4><div><p>völkisch-nationalistische und antisemitische Tendenzen entwickelt und erhalten: <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">1996 führte so der Dachverband der Deutschen Burschenschaften (DB) einen „Ariernachweises“ ein</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">So gibt es auch heute immer wiederkehrende Diskussionen um Herkunftsnachweise verschiedenster Art</ins>.<del class="space" aria-label="Streichen: „Leerzeichen”">[Leerzeichen]</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;"></ins></p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Fri, 28 Jun 2019 23:53:28 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä7 zu Eil-A2NEU5: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12310/amendment/17910</link>
                        <author>Lena Gieseke (GHG Stendal)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12310/amendment/17910</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 15 bis 17:</h4><div><p>Die gesamtgesellschaftlich erstarkende Ablehnung von <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">ohnehin benachteiligten Gesellschaftgruppen</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">marginalisierten Gruppen</ins> (Frauen*, Ausländer*innen, Arbeiter*innen) ist provoziert durch die ökonomische Vorherrschaft der kapitalistischen Unternehmen. Diese </p></div></div></section><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text"><p>Ähnlich wie die anderen Änderungsanträge.</p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Fri, 28 Jun 2019 23:26:35 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä6 zu Eil-A2NEU2: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12307/amendment/17909</link>
                        <author>Anton Hensky (CampusGrün Braunschweig)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12307/amendment/17909</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 10 bis 12 einfügen:</h4><div><p>wie vor die (Aus)sortierung der Menschen nach Ungleichheiten. Das sozialdarwinistische „Recht des Stärkeren“, die Erziehung zur <ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">"vaterländischen" </ins>Akademischen Elite, Exklusivität und Geschichtsignoranz sind dabei vordergründige Prinzipien. </p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Fri, 28 Jun 2019 23:23:44 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä5 zu Eil-A2NEU: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12306/amendment/17908</link>
                        <author>Bamberger grün-linke Studierendeninitiative (BAGLS) (dort beschlossen am: 28.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12306/amendment/17908</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 2 bis 4:</h4><div><p>Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch in <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">der </del>Union <ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">und FDP </ins>sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der </p></div></div></section><h2>Begründung</h2><div class="paragraph"><div class="text"><p>Beispiele siehe hier: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_korporierten_Bundestagsabgeordneten">https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_korporierten_Bundestagsabgeordneten</a></p></div></div>]]></description>
                        <pubDate>Fri, 28 Jun 2019 23:10:46 +0200</pubDate>
                    </item><item>
                        <title>Ä4 zu Eil-A2: Studentenverbindungen keine Plattform geben!</title>
                        <link>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12184/amendment/17907</link>
                        <author>GHG Wuerzburg (dort beschlossen am: 28.06.2019)</author>
                        <guid>https://cg39.antragsgruen.de/cg39/motion/12184/amendment/17907</guid>
                        <description><![CDATA[<h2>Antragstext</h2><div id="section_4510_0" class="paragraph lineNumbers"><h4 class="lineSummary">Von Zeile 2 bis 4:</h4><div><p>Verbindungsangehörige. Grund dafür ist vorrangig der Aufstieg der AfD, doch auch <del style="color:#FF0000;text-decoration:line-through;">für die</del><ins style="color:#008000;text-decoration:underline;">in der</ins> Union sind „Burschis“ verantwortlich für wichtige politische Entscheidungen<a href="#_ftn1">[1]</a>. Das liegt an der ‚Verträglichkeit‘ von ihnen mit der </p></div></div></section>]]></description>
                        <pubDate>Fri, 28 Jun 2019 23:07:25 +0200</pubDate>
                    </item></channel></rss>